Gelungene Theateraufführung


„Wertherschlachten“ – so heißt ein Ein-Mann-Theater-Projekt auf der Grundlage des Briefromans „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang Goethe. Neben „Romeo und Julia“ ist der Werther-Stoff zumindest im deutschsprachigen Raum sicher die bekannteste Liebesgeschichte. Dass diese Geschichte tragisch ausgeht, scheint dabei geradezu ein Qualitätsmerkmal zu sein. Begeisterte Leser rissen dem Verleger damals die frisch gedruckten Exemplare aus der Hand.

Heute wird der „Werther“ in der Oberstufe gelesen und führt in die Epoche des Sturm und Drang ein. Jedoch ist heutigen Schülern/-innen die Sprache dieses über 200 Jahre alten Textes eher fremd. Die Gastspielproduktion, die von Thomas Klischke inszeniert wurde, brachte diesen vielschichtigen Stoff mit einem Schauspieler und vielen explosiven und überraschenden Momenten auf die Bühne. Der Schauspieler Marcus Möller betritt als Werther-Fan die Bühne und geht dann in einer weißen Papierwelt vollkommen in die Welt des Werther ein.

Die Oberstufe der AHFS erlebte, fühlte und spürte förmlich mit, wie sich die Naturliebe Werthers explosionsartig in die Liebe zu Lotte verwandelt, obwohl von vornherein klar ist, dass diese Beziehung kein gutes Ende nehmen kann. Klischke kürzte den Originaltext, um in gut 70 Minuten die tragische Liebesgeschichte zu präsentieren, was dem Verständnis gut tat. Es gelang dem Darsteller Möller, Goethes Sprache so überzeugend zu vermitteln, dass die Schlachten, die Werther in seinem Inneren austrägt, verstehbar wurden. Gewürzt wurde dies immer wieder durch Musik, Zitate aus der Popkultur und aus jugendrelevanten Debatten, um den Schülern/-innen Reflexionshilfen zu ihrer eigenen Lebens- und Liebeswelt zu bieten. Da dies mitunter anstrengend und schwer aufzuschlüsseln war, stellten sich Produzent und Schauspieler im Anschluss an das Stück den Fragen des Publikums und konnten so einige Verständnisschwierigkeiten zur insgesamt absolut gelungenen Inszenierung klären.

Musik und passend eingesetzte Projektionen erweiterten die Darstellung mit neuen Ebenen. So konnten weitere Figuren ins Gespräch mit Werther kommen und seine immer düster werdende Stimmung verdeutlicht werden. Dass der Werther-Fan zwar in Werthers Gedankenwelt eintaucht, aber doch eine eigenständige Persönlichkeit bleibt, wird am Ende des Stücks deutlich, das von der Originalvorlage abweicht. Möller spielte einen Werther-Fan, der begeistert vom Werther so in seinen Texten verschwindet, dass er seine Identität annimmt. Allerdings begeht er am Ende keinen Selbstmord, sondern bricht seine Aufführung vorher ab, d.h. er steigt als Schauspieler vom Podest und verschwindet hinter dem Vorhang.

Die schauspielerische Leistung von Marcus Möller beeindruckte, und man konnte sehen, dass die Aufführung seinen vollen Körpereinsatz forderte. Für den Kurs „Darstellendes Spiel“ in der Oberstufe ergeben sich aus diesem Stück wertvolle Hinweise und Gestaltungsvorschläge. Das Stück ist insofern noch nicht zu Ende, als es im Unterricht weiterwirken wird und als wertvoller Anstoß die rein stoffliche Vermittlung ergänzt.

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