„Ich möchte dir etwas sagen …“


Fester Bestandteil des Sachunterrichts in der dritten Klasse ist das Thema „Post und Telekommunikation“. Alle Menschen haben das Bedürfnis, sich einander mitzuteilen. Kommunikation und Interaktion bedeuten Leben, was spätestens seit den kritischen Experimenten Kaiser Friedrichs II. deutlich wurde. Im 13. Jahrhundert wollte er die Ursprache der Menschen herausfinden und isolierte einige Säuglinge unmittelbar nach der Geburt von anderen Menschen. Die Mitarbeiter, die diese Säuglinge mit Nahrung versorgten, durften sie weder ansprechen noch berühren oder anlächeln. Jedoch konnte durch dieses fragwürdige Experiment nicht die Ursprache des Menschen herausgefunden werden. Doch etwas anderes wurde deutlich: Obwohl die Säuglinge körperlich gut versorgt wurden, starben sie alle. Warum? Weil Gott uns Menschen als Beziehungswesen geschaffen hat. Beziehung braucht zwischenmenschliche Nähe und Kommunikation: Sich mitteilen und dem anderen zuhören heißt leben.

Kommunikation von Angesicht zu Angesicht ist eines der wichtigsten Bedürfnisse des Menschen. Doch das ist leider nicht immer möglich – Raum und Zeit sind Faktoren, die Kommunikation seit jeher beschränken. Im Sachunterricht haben wir uns unter anderem die Geschichte der verschiedenen Ideen und Erfindungen angeschaut, wie Kommunikation jenseits von räumlicher Nähe oder gleichem Zeitpunkt stattfinden kann.

Schon immer waren die Menschen bestrebt, neue und bessere Lösungen für die Kommunikation über Raum und Zeit hinweg zu finden. Dabei stand immer das Sehen und Hören im Mittelpunkt. Mit diesen beiden Sinnen können wir Menschen Geschehnisse aus der Ferne wahrnehmen und sie auf ihren Informationsgehalt überprüfen.

So kommunizierten die Indianer auf ihren Jagdausflügen durch die Rocky Mountains mit verschiedenen Rauchzeichen. Natürlich musste man dafür die Umgebung ständig beobachten, der Code der Rauchzeichen musste auch den anderen Gruppen bekannt sein und die Witterung musste mitspielen. Denn bei eingeschränkter Sicht durch Regen, Nebel oder Dunkelheit war das Kommunizieren durch Rauchzeichen erschwert, wenn nicht gar unmöglich. Im afrikanischen Urwald wurden häufig Trommeln zur Weitergabe von Nachrichten eingesetzt, da das Blättergeflecht meist so dicht war, dass man die Umgebung nur schlecht umfassend beobachten konnte. Hier lag der Schwerpunkt also nicht auf der visuellen, sondern auf der akustischen Nachrichtenübermittlung.

Das gängigste Mittel, um zuverlässig Nachrichten zu überbringen, war in allen Kulturen früher oder später der Bote. Zu Fuß, zu Pferd oder mit der Kutsche wurden neben der alltäglichen Korrespondenz auch geheime Botschaften sehr kreativ übermittelt: Die Nachrichten wurden unter anderem auf die Kopfhaut der Boten geschrieben. Nachdem die Haare so weit nachgewachsen waren, dass die Nachricht nicht mehr zu sehen war, wurde der Bote losgeschickt und beim Empfänger dann wieder seiner neuen Haarpracht beraubt. Diese Boten konnten sich zwar den regelmäßigen Friseurtermin sparen, hatten aber ansonsten ein weniger vorteilhaftes Leben. Ihre Auftraggeber schärften ihnen die gebotene Verschwiegenheit durch Maulschellen (Schläge auf den Mund) und Androhung von Strafen ein. Sie wurden häufig überfallen, weil man wissen wollte, welche Nachricht sie übermitteln sollten. Informationen waren schon damals teilweise mehr wert als ein paar Goldmünzen oder ein Bündel Geldscheine. Doch nicht nur Menschen wurden als Boten eingesetzt: Brieftauben überbrachten nach gründlichem Training zuverlässig Nachrichten über unwegsames Gelände wie dichte Wälder, Gebirge, Schluchten, Flüsse, Meere oder gar Schlachtfelder hinweg.

Weil die Anforderung an die Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung immer weiter anstieg, wurden im Laufe der Zeit vermehrt Pferde mit oder ohne Kutschen eingesetzt. Damit Verzögerungen immer besser vermieden werden konnten, wurde die Ankunft eines Postreiters oder einer Postkutsche mit dem Blasen in ein Posthorn angekündigt. Um Pferde und Menschen vor dem Ermüden zu schützen, wurden Zwischenstationen eingerichtet, an denen Pferde und Reiter bzw. Kutscher ausgetauscht werden konnten – die ersten Poststrecken waren geboren (1490 n.Chr.). Diese Poststrecken wurden immer weiter ausgebaut, sodass sich auch bald das Reisen in einer Postkutsche etablierte.

Eine weitere Idee hatte der Franzose Claude Chappe, der Ende des 18. Jahrhunderts einen optischen Flügeltelegrafen entwickelte. An einem Pfahl wurden bewegliche Latten angebracht, die je nach Stellung für einen bestimmten Buchstaben oder eine bestimmte Nachricht stehen konnten. Damit konnte eine Nachricht innerhalb von einer Stunde eine Strecke von ca. 300 km zurücklegen – viel schneller als beispielsweise ein Brief mit der Postkutsche. Da das Errichten eines solchen Flügeltelegrafen mit viel Aufwand verbunden war, hat sich diese Idee jedoch nicht durchgesetzt.

1837 wurde mit der Erfindung des Schreibtelegraphen in Verbindung mit dem Morsealphabet ein neues Zeitalter der Informationsübermittlung eingeläutet. An bestimmten Telegraphiestationen konnten im Morsealphabet codierte Nachrichten aufgegeben werden, die anschließend mit Hilfe elektrischen Stroms und langer Drähte zu einer anderen Telegraphiestation gesendet werden konnten. Dort wurden die Nachrichten decodiert, also in Schrift übertragen, und einem Empfänger zugestellt. Der sich anschließende Gedanke, über die Entfernung direkt miteinander reden zu können, spukte jetzt in einigen Köpfen herum. So erfand der deutsche Philipp Reis einen Sprechapparat, der aus einem geschnitzten Holzohr, Drähten und einer alten Geige bestand. Dieser Vorläufer des Telefons war allerdings eine Einbahnstraße – man konnte nur in eine Richtung kommunizieren. In den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts war es dann so weit: Der in New York lebende Italiener Antonio Meucci, der Schotte Alexander Graham Bell und der Amerikaner Elisha Grey erfanden unabhängig voneinander das Telefon. Kommunikation über weite Entfernungen war nun möglich, wurde immer weiter ausgebaut und in Privathaushalte gebracht. Während früher eine Vermittlungsstelle für die Herstellung der richtigen Verbindung zuständig war, geschieht dies heutzutage automatisch. Hinzu kamen in den letzten 50 Jahren Mobilfunk, Internet (inklusive elektronische Briefe – E-Mail) und schließlich das Smartphone, welches Kommunikations- und Informationswege miteinander vereint.

Während manche Techniken der Informationsübermittlung durch neuere abgelöst wurden, haben sich andere gehalten. Das Versenden von Briefen und Waren beispielsweise hat sich im Laufe der Zeit nicht geändert, wohl aber die logistische Umsetzung und die Transportmöglichkeiten. Nicht mehr Postkutschen, sondern Autos, Lastwagen und Flugzeuge verteilen heutzutage die Sendungen in alle Welt. In großen Briefzentren wird die Post elektronisch erfasst und sortiert, was eine erhebliche Steigerung der Zustellungsgeschwindigkeit mit sich bringt.

Neben der geschichtlichen Entwicklung von Post und Telekommunikation waren auch die Beschriftung, das Frankieren, das Versenden und der Weg eines Briefes bzw. eines Päckchens Bestandteil des Unterrichts. Krönender Abschluss dieser Unterrichtseinheit war dann die Besichtigung des „Museums für Kommunikation“ in Frankfurt, wo die Kinder die beschriebenen geschichtlichen Stationen und verschiedenen Entwicklungsstufen der einzelnen Erfindungen sehen, teilweise anfassen und ausprobieren konnten.

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