Schneller, höher, frömmer?


Dr. Jörg Dechert
ist Vorstandsvorsitzender
von ERF Medien.
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft.

Als Kunden handeln wir alle danach. Wenn ich im Supermarkt Joghurt einkaufe, schaue ich zuerst danach, welche Marke mir die größte Menge Genuss für mein Geld bietet. Wenn ich mein Treppenhaus streichen lassen will, entscheide ich mich für den Handwerker, der mir am meisten Leistung für das wenigste Geld anbietet. Beim Einkaufen von Kaffee zahle ich mit Blick auf das Fairtrade-Logo gerne mehr – aber auch das muss man sich leisten können.

Wir alle handeln so und finden das in Ordnung, meistens ohne weiter darüber nachzudenken. Wir empfinden aber ziemlich anders, wenn wir nicht Kunde sind, sondern unsere eigene Leistung gefragt ist: Als Schüler bestimmen meine Noten über meine Zukunftschancen. Als Arbeitnehmer finde ich mich mit einem bestimmten Marktwert auf dem Arbeitsmarkt wieder. Und wenn ein Mensch chronisch krank wird, weniger fähig zur Leistung wird, fängt ihn ein soziales Netz auf. Aber auch das muss sich eine ganze Gesellschaft leisten können.

Wie man es also dreht und wendet – um den Leistungsgedanken kommen wir am Ende nicht herum.

Ich glaube, dafür gibt es einen guten Grund: Gott hat den Menschen erschaffen mit der grundsätzlichen Fähigkeit und Sehnsucht danach, etwas zu leisten. Gott hat den Menschen beauftragt, seine Welt zu gestalten durch den Einsatz eigener Kraft, Zeit, Kreativität, eigener Anstrengung. In jeden seiner Menschen hat der Schöpfer ein Potential gelegt, die Fähigkeit, etwas zu leisten.

Das Problem beginnt da, wo wir mit Leistung nicht so umgehen, wie Gott sich das gedacht hat. Wenn wir zum Beispiel alle Menschen über einen Kamm scheren, als wären sie Joghurtsorten im Kühlregal. Oder wenn wir unseren Wert und unsere Würde an unserer Leistung festmachen. Oder wenn wir glauben, wir könnten Gott durch fromme Leistungen beeindrucken.

Als Christ möchte ich mit dem Leistungsgedanken in Balance leben. Ja, ich möchte das Potential entfalten, das Gott in mich hineingelegt hat. Ja, ich möchte etwas leisten, etwas bewegen. Aber klar ist auch: Ich bin unendlich geliebt, egal, wie viel ich leiste. Und keine fromme Leistung könnte mich Gott auch nur einen Millimeter näherbringen. Das hat Jesus Christus bereits geleistet – für mich persönlich genauso wie für jeden anderen Menschen, der sich auf ihn einlassen will.

© ERF Medien e.V. 2017, Autor: Dr. Jörg Dechert

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